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Wenn Prävention digital wird: Gesund bleiben mit neuen Möglichkeiten

Wenn Prävention digital wird: Gesund bleiben mit neuen Möglichkeiten

Ein Schrittzähler erinnert an die tägliche Bewegung. Eine App schlägt eine kurze Entspannungsübung vor. Ein Onlinekurs zeigt, wie sich der Rücken im Alltag stärken lässt. Und die eigene Krankenkasse bietet einen digitalen Ernährungskurs an.

Gesundheitsförderung und Prävention finden längst nicht mehr nur im Kursraum, Fitnessstudio oder in der Arztpraxis statt. Digitale Angebote begleiten Menschen zunehmend auch im Alltag, z. B. mit Übungen, Erinnerungen oder individueller Unterstützung.

Doch was heißt digitale Prävention? Welche Angebote gibt es? Und welche Rolle spielt die Telemedizin dabei?

Diesen Fragen geht unsere dreiteilige Reihe anlässlich des bayerischen Präventionstags am 12.10.2026 nach. Sie richtet sich an Bürger und Fachkräfte und zeigt:

  • Was digitale Prävention ist
  • Wie sich passende digitale Präventionsangebote finden lassen
  • Wie Telemedizin im Bereich Prävention unterstützen kann

Was bedeutet Prävention und was macht sie digital?

Vereinfacht ausgedrückt, versteht man unter Prävention alle Maßnahmen, die dazu beitragen sollen, Krankheiten zu verhindern, Risiken frühzeitig zu erkennen oder gesundheitliche Folgen abzumildern. Dabei unterscheidet man drei Ebenen: die Primärprävention, die Sekundärprävention und die Tertiärprävention.  

Die drei Ebenen der Prävention, untergliedert in Primär-, Sekundär-, und Tertiärprävention.


Auch in der digitalen Prävention geht es darum, Krankheiten möglichst zu verhindern, gesundheitliche Risiken zu reduzieren und Menschen dabei zu unterstützen, gesund zu bleiben. Verändert haben sich dabei vor allem die Möglichkeit, wie Prävention Menschen erreicht und wie sie im Alltag begleiten kann.

Schauen wir uns einen klassischen Präventionskurs im Bereich Bewegung an: Einmal pro Woche trifft sich eine Gruppe mit einer Kursleitung in einem Kursraum. Es gibt Übungen, Tipps und Informationen. Zwischen den Terminen liegen die Umsetzung und Fortführung des Gelernten bei den Teilnehmenden selbst.

Digital gestaltet sich der Präventionskurs etwas anders: Die Übungen stehen jederzeit zum Abruf zur Verfügung. Eine App, ein Programm oder ähnliches erinnert an das Training, leitet an und dokumentiert die persönlichen Fortschritte, z.B. wie häufig das Training stattfindet oder wie viele Wiederholungen absolviert werden. Inhalte können an das eigene Trainingsniveau angepasst werden.

Keiner der beiden Ansätze ist grundsätzlich der „bessere", sie haben lediglich unterschiedliche Stärken. Dieses Prinzip lässt sich auf viele weitere Bereiche übertragen. Ein digitales Ernährungsprogramm kann Essgewohnheiten über einen längeren Zeitraum begleiten, ein Programm zum Stressmanagement regelmäßig an Atemübungen erinnern. Die Möglichkeiten sind dabei stark vom jeweiligen Angebot abhängig. Manche Programme stellen lediglich Informationen oder Übungen bereit. Anders passen Inhalte individuell an, beziehen Gesundheitsdaten ein oder verbinden digitale Inhalte mit persönlicher Betreuung.

Vier zentrale Merkmale digitaler Präventionsangebote


Welche Formen digitaler Prävention gibt es?

Digitale Prävention kann unterschiedlich aussehen. Das Spektrum reicht von einfachen Onlinekursen, die beispielsweise im Web-Browser oder über eine App absolviert werden, bis hin zu individuell betreuten Programmen. Auch persönliche Termine lassen mit digitalen Angeboten verbinden. Je nach Konzept können zudem Gesundheitsdaten erfasst und ausgewertet werden. Wir betrachten fünf verschiedene Formen näher:  

Digitale Präventionskurse und -programme

Hierbei handelt es ich um klassische Präventionskurse, die ganz oder teilweise in das Digital- bzw. Onlineformat übertragen werden, beispielsweise als Online-Kurs zu Bewegung, Ernährung, Stressbewältigung oder Entspannung. Die Inhalte werden meist über eine Plattform, App oder in Form von Videokursen vermittelt und können unabhängig von Zeit und Ort genutzt werden. Sie verbinden mehrheitlich mehrere Elemente, wie Übungen und Lerninhalte in strukturierter Form und sind in vielen Fällen zeitlich begrenzt angelegt.

Beispiel: Ein 12-wöchiges Stressprogramm mit Lernmodulen, Übungen und Selbstreflexion

Digitale Alltagsbegleiter

Digitale Alltagsbegleiter in Form von Apps oder Onlineprogrammen können Menschen dabei unterstützen, gesundheitsbezogene Gewohnheiten im Alltag zu verändern, beizubehalten oder zu erfassen. Sie geben kleine Impulse in Form von Übungen, Informationen oder Erinnerungen und können Fortschritte dokumentieren. Es geht dabei weniger um ein strukturiertes Konzept oder einen zeitlich festgelegten Rahmen, sondern darum, bestimmte gesundheitsfördernde Verhaltensweisen in den Alltag zu integrieren.

Beispiel: Apps, die zur Bewegung animieren, Ernährungstagebücher, Schlaf-Tracking, Schrittzähler

Digitales Coaching

Hier kommt eine persönliche Begleitung hinzu. Nutzer erhalten beispielsweise Feedback, Motivation oder individuelle Empfehlungen durch eine Fachkraft. Der Austausch kann per Chat oder Videogespräch innerhalb einer Plattform oder App erfolgen. Zudem finden sich hier häufig Elemente der beiden anderen Formen.

Beispiel:  Eine Ernährungsfachkraft begleitet jemanden über mehrere Wochen digital und gibt auf Basis der dokumentierten Ernährung individuelles Feedback.

Hybride Angebote

Es gibt auch Ansätze, bei denen nicht alles online stattfindet. Bei hybriden Angeboten werden digitale und persönliche Elemente miteinander kombiniert. Das Programm beginnt häufig mit einem persönlichen Termin. Anschließend finden mehrere Einheiten online statt oder digitale Übungen und Aufgaben für zu Hause werden zur Verfügung gestellt. In einigen Fällen enden die Programme auch wieder mit einem persönlichen Termin. 

Beispiel:  RV-Fit Präventionsprogramme für Unternehmen und Versicherte, bei denen Teilnehmende mit einem stationären Vor-Ort-Aufenthalt starten, anschließend eigenständig mit einem Online-Training fortfahren und das Programm wieder mit einem Vor-Ort-Aufenthalt abschließen.

Digitale Messung und Selbstbeobachtung sowie Telemonitoring

Smartwatches, Fitness-Tracker oder digitale Messgeräte können gesundheitsbezogene Daten erfassen, beispielsweise Bewegung, Herzfrequenz, Gewicht oder Blutdruck. Diese Daten können dabei helfen, das eigene Verhalten bewusster wahrzunehmen und Veränderungen über einen längeren Zeitraum zu beobachten. Das Erfassen von Gesundheitsdaten allein macht eine Anwendung noch nicht zur digitalen Prävention. Erst wenn die Daten sinnvoll in ein Präventionskonzept eingebunden sind, wird es fachlich interessant. Eine weitergehende Form ist das Telemonitoring, bei dem Gesundheitsdaten von Patienten mit chronischen Erkrankungen erfasst und an medizinische Fachpersonal übermittelt werden. So können Veränderungen im Krankheitsverlauf frühzeitig erkannt und Verschlechterungen möglichst vermieden werden. Damit kann Telemonitoring insbesondere im Bereich der Tertiärprävention eine Rolle spielen.

Beispiel: Telemonitoring bei Herzinsuffizienz über externe Messgeräte oder implantierte kardiale Aggregate.

Die Grenzen sind dabei nicht immer scharf. Digitale Prävention kann in einzelnen dieser Formen umgesetzt werden oder verschiedene Ansätze miteinander verknüpfen. Auch eine App allein ist noch keine Prävention. Erst das dahinterliegende Konzept und dessen Zielsetzung machen aus einer digitalen Anwendung ein Präventionsangebot.  


Wie findet man das richtige Programm und startet damit?

Abschließend stellt sich die Frage, welche dieser Möglichkeiten sich konkret im Alltag nutzen lassen. Bei der Auswahl eines passenden Präventionsprogramms gibt es einige Faktoren zu berücksichtigen. Welche Voraussetzungen digitale Präventionsangebote erfüllen müssen und woran sich Qualität erkennen lässt, schauen wir uns im zweiten Teil der Reihe genauer an. Dort zeigen wir Ihnen zudem, welche Angebote die Krankenkassen im Bereich Bewegung, Ernährung und Stress unterstützen und wo sie seriöse Anbieter und Programm finden.  

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